Was viele gar nicht wissen: Fleisch und tote Tiere haben nichts miteinander zu tun...!

Eigentlich wollte ich es mir ja abgewöhnen, ständig neue - und leider auch ständig gleiche - Dokus über die Massentierhaltungs- und Milch-/Melk-Wirtschaft anzuschauen. Doch eine 3sat-Doku hat mich neulich nicht nur gefesselt, sondern mir auch den besten Lachkrampf der letzten Wochen beschert.

Es ging im wahrsten Sinne des Wortes um die Milchkuh. Und darum, dass die heutigen Hochleistungskühe ein rein menschliches Produkt sind, das durch Züchtung, (unnatürliche) Fütterung und Gen-Auswahl 'designed' wurde. Kein Witz: Ein Bauer kann im Katalog auswählen, welchen Zuchtbullen-Samen er zur Besamung seiner Kühe einkaufen möchte. Eine Portion Bullensperma kann nämlich sehr stark im Preis variieren, je nachdem, ob der 'Spender' kräftig oder schmächtig ist. Lebewesen nach Wunsch - bei Menschen glücklicherweise noch nicht so verbreitet (aber es wird noch kommen, da bin ich mir sicher), bei der sogenannten Nutztierhaltung längst Usus. Dass die so entstandenen 'Power-Milchkühe' gar nicht mehr fähig wären, ein normales Kuhleben auf der Weide zu leben, weil sie z. B. so auf Kraftfutter gepolt sind, dass sie bei Gras und Heu als Nahrungsaufnahme dieselbige ganz verweigern würden, wurde nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Ganz neu war mir die Methode, seine Milchkühe per App zu kontrollieren. Die Bauern, die es sich leisten können, kaufen pro Kuh eine etwa 500€ teure Sonde ein, die ca. 2 Jahre im Kuhmagen verbleibt. Sie ist mit modernster Technik ausgestattet und sendet verschiedene 'Kuhparameter' (z. B. den pH-Wert oder mögliche Entzündungswerte) via App an das Smartphone des Milchbauern. So kann dieser erkennen, welche Kuh 'aus der Reihe tanzt' und mit entsprechendem Futter oder einer medizinischen Behandlung 'nachjustieren'. Das alles ist keine Science Fiction, sondern bereits im Einsatz. Alles wird berechenbar und die Kuh damit vom Tier zur Milchproduktionsmaschine, die derzeit zwar nur per App überwacht, doch sicher bald auch von einer solchen gesteuert werden kann. Doch wo ist der Gag an der ganzen Sache? Was hat meinen Lachkrampf ausgelöst? Denn witzig ist das alles ja eher nicht, leider.

Mein Zwerchfell wurde gegen Ende der Doku auf eine harte Probe gestellt, als der Bauer gefragt wurde, was denn mit den ausgedienten Milchkühen passiere. Er antwortete wahrheitsgemäß, dass diese ins Schlachthaus wandern würden, welches wiederum Fleisch für eine berühmte Fast-Food-Kette bereitstelle. An sich ist - lässt man alle 'vegetarischen Argumente' einmal beiseite - auch das noch nicht verwerflich. Verwerflich ist die Begründung des Schlachthofes, dem Kamerateam keine Drehgenehmigung für den Schlachtvorgang an sich zu erteilen: "Der Tod der Tiere soll nicht mit dem Produkt Fleisch in Zusammenhang gebracht werden." Da war es passiert, denn ich prustete fast mein Wasser über den Fußboden.

Man hat ja schon viel über Doppelmoral, aber selten so eine frechdreiste Begründung gehört. Kleine Zusatzbemerkung am Rande: Besagter Schlachthof heißt 'Alpenrind'. Das veranlasste die Burgerkette mit dem goldenen M wohl dazu, den werbewirksamen Spruch "vom österreichischen Alpenrind" zu erfinden. Klingt ja auch voll friedlich und so - doch Tiere töten für Burger-Pattys? Wo kämen wir denn da hin? Was im Schlachthof passiert, bleibt im Schlachthof. Man gibt Kühe hinein und erhält Fleisch hinten raus. Fleisch kommt schließlich aus der Kühltheke oder eben vom Burger-Grill, so soll es die Generation Smartphone lernen. Damit sie auch morgen noch genussvoll zubeißen kann.

Es ist die eine Sache, Fleisch zu essen oder eben auch nicht. Doch wer sich bewusst DAFÜR entscheidet, der sollte auch die ganze Wahrheit kennen und die Verantwortung nicht an der Schlachthaus-Tür abgeben. Das ist die andere Sache. Dass ein Schlachthof nicht erpicht darauf ist, den Tötungsvorgang zur besten Sendezeit im Free-TV wiederzufinden, ist verständlich, doch eine solch dämliche Begründung samt noch dämlicherer Formulierung herauszugeben, erfordert nicht nur eine gehörige Portion Mut und Dummheit, sondern auch eine gehörige Portion Ignoranz gegenüber dem Lebewesen Tier.

Wie sagte schon Goethe: "Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst." Offenbar gilt das in ganz besonderer Weise auch und gerade für eben jenen Schlachthof-Besitzer. Vielleicht setzt ein altes Sprichwort noch einen drauf: "Wenn ich mein Geheimnis verschweige, ist es mein Gefangener. Lasse ich es entschlüpfen, bin ich sein Gefangener." Vielleicht bekäme der Besitzer 'lebenslänglich'. Nicht dafür, dass er Tiere tötet, sondern dafür, dass er es öffentlich zu leugnen versucht.

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Kommentare: 1
  • #1

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